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Für das Leben lernen 1952

Der ehemalige Schüler Alfred B. der Abschlussklasse des Jahres 1952 erzählt anlässlich eines Klassentreffens von seiner Nachkriegsschulzeit im Sperberschulhaus:

"Was brachte uns die Schule für unser Leben?

"Du lernst für dein Leben und nicht für die Schule und nicht für den Lehrer", solche und andere Sprüche konnten wir damals hören, aber wer glaubte sie schon. Heute, nach fast 45 Jahren und nachdem wir das wichtigste Stück unseres Lebens, zumindest des Berufslebens hinter uns haben, beurteilen wir dies sicher anders. Unsere Lehrer, besonders aber Herr Haßler, haben uns, soweit es in dieser schwierigen Nachkriegszeit überhaupt möglich war, auf die Zukunft vorbereitet.


Eine Jungenklasse 1950 im nur behelfsmäßig 
hergerichteten Klassenzimmer.
(23.01.1950 Fotoarchiv Nürnberg)

Viele von uns haben ein erfolgreiches Berufslebens hinter sich und darüber hinaus so manches für die Gesellschaft geleistet. Man denke daran, dass damals erst ein demokratisches Gedankengut nach 12 Jahren nationalsozialistischer Gewaltherrschaft aufgebaut werden musste. Wenn wir heute die jüngere Generation mit uns was z.B. die sogenannte Allgemeinbildung betrifft, vergleichen, dann habe ich immer den Eindruck, dass wir einen gewaltigen Vorsprung haben. Dabei hat man bei uns nicht vom Schulstress gesprochen. Ich weiß nicht, was damals in den Lehrplänen stand, aber ich habe die Vermutung, dass vieles in der 7.und 8.Klasse über den Stoff hinausging, der vorgegeben war. 

Herr Haßler hat es auch immer verstanden, den Unterricht interessant zu gestalten und unseren Ehrgeiz zu wecken. Auch aus heutiger Sicht kann man vieles als "fortschrittlich" werten. Ich möchte einige Punkte aus unser Schulzeit der letzten zwei Klassen aufzeigen, die bei mir besonders haften geblieben sind und mir später besondere Impulse gegeben haben. Andere mögen andere Erfahrungen gemacht haben. Über eines aber herrscht bei uns eine einhellige Meinung: Herr Haßler war der ideale Lehrer für uns, den wir viel zu verdanken haben. Nun zu meinen Schwerpunkten:

o Im Rechnen besonders bei den Textaufgaben haben wir gelernt, ein Problem systematisch anzugehen. Zu jeder Teilrechnung gehörte auch eine Teilüberschrift, sodass man die Rechnung nachvollziehen konnte. Die Unterstreichungen - doppelt und einfach - durften genauso wenig fehlen, wie der Schluss-Satz mit dem Ergebnis.

o Das Unterstreichen war besonders wichtig, um das Wesentliche vom Unwesentliche zu unterscheiden. Dabei wurden auch alle Farben verwendet.

o Die Liebe zum Wandern und zur Natur wurde geweckt. Wir machten viele Wanderungen in der Hersbrucker und Fränkischen Schweiz und auch Unterrichtsgänge. Bäume, Pflanzen, Blumen, Tiere, Erdschichten, historische Stätten wurde uns gezeigt und in der nächsten Unterrichtsstunde aufgeschrieben.

o Die Geschichte wurde uns bis Kriegsende mit der gesamten Nazizeit aufgezeigt, ein Thema, um das sich auch später noch die Lehrer drückten.

o Das Ausschneiden von Zeitungsausschnitten geht auf diese Zeit zurück. Im Schaukasten an der Rückseite unseres Schulzimmers wurde ausgehängt, aber auch in die Hefte wurden Ausschnitte geklebt.

o Das Interesse für die Politik wurde geweckt. Eine Stunde am Samstagvormittag war vorgesehen, dass einer von uns die politischen Wochenereignisse aus der Zeitung zu bringen.

o Jeder einzelne von uns musste ein Referat vor der ganzen Klasse halten. Bei mir war es über den "Kreuzer Emden" und später über "Rudolf Nebel, dem eigentlichen Erfinder der V2".

o Mit dem Flug über die Weltkarte, besonders aber durch den Geographie-Unterricht wurde die Sehnsucht nach fernen Ländern geweckt. Dies war für mich Anlass, gleich nach der Schulzeit mich auf mein Fahrrad zu setzen, um nach Hamburg zu fahren und die Schiffe zu sehen, die in die weite Welt fuhren. Wer dachte schon daran, dass wir später einmal überall hinfliegen konnten.

o Wir lernten Steno, Algebra und die deutsche Schrift. Dies war sicher nicht die Vorgabe in den Lehrplänen.

o Lehrer Haßler stellte uns in seinen Diktaten und Deutschübungen seine literarischen Hang vor. Diese Literaturkunststücke haben wir in ein Büchlein zusammengefasst.

o Jeder konnte sich aus unserer kleinen Bücherei (im Schrank vorne rechts) Bücher ausleihen. Mit der Verwaltung wurde ich beauftragt Ausgabetag Samstag. Auch heute noch bin ich in einer Bücherei tätig.

o Damals gehörte die Filmstunde zu den beliebtesten Stunden. Die Filme mussten wir oft mit dem Hausmeister im Schulhaus in der Thusneldastr. holen."

Quelle:  Zeitung zum Klassentreffen der Abschlussklasse 1952, 12.10.96

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